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Powell setzt Fed-Put aus

Der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, hat ein ernsthaftes Glaubwürdigkeitsproblem. War noch vor einigen Monaten die Rede davon, dass er “vor 2023 nicht einmal an eine Zinserhöhung denken würde”, steht nach der gestrigen Sitzung des Offenmarktausschusses nun auch offiziell einer „baldigen Zinserhöhung“ nichts mehr im Weg. Vergessen damit auch das zuvor eingeführte durchschnittliche Inflationsziel und die Analyse, dass die Phillips-Kurve nicht mehr die Grundlage für die Geldpolitik der Fed sein würde. Und auch wenn Powell den Termin dafür noch nicht genannt hat, am 16. März dürfte durch das schnelle Auslaufen des Anleihekaufprogrammes und eine anschließende Zinserhöhung zumindest aus geldpolitischer Sicht das Ende der Pandemie besiegelt werden. 

Jetzt bekommt der Finanzmarkt aber nicht nur Zinserhöhungen, sondern diese werden garniert mit einer anschließenden Verkürzung der Bilanz, also einem “quantitative tightening“. Zumindest hat die Fed gestern eine Bilanzreduktion in einer „prognostizierbaren Weise“ in Aussicht gestellt, was weitgehend der Strategie der Notenbank noch unter der Führung von Janet Yellen des Jahres 2018 entspricht. Damals war die Bilanzverkürzung auf „Autopilot“ gestellt worden. Vor vier Jahren straffte die Fed die Geldpolitik mit den gleichen Instrumenten, was zunächst zu einer hohen Volatilität und anschließend zu einer Korrektur am Aktienmarkt von rund 20 Prozent geführt hat.

Nach der Pressekonferenz heute gibt es keinen Zweifel – die Fed glaubt, ziemlich weit „hinter der Kurve“ zu sein und somit nur mit einer Art Vollbremsung die Inflation wieder auf den Zielwert von zwei Prozent drücken zu können. Deshalb dürfte sie die Geldpolitik in den kommenden Monaten ungeachtet der Erfahrungen aus 2018 spürbar straffen. Damit wird sich auch das Chance-Risiko-Profil für Aktien im Laufe des Jahres weiter verschlechtern. Während sich in den vergangenen 18 Monaten die Strategie am Aktienmarkt, bei Schwäche zu kaufen, stets als richtig erwiesen hat, könnte sich nun gerade bei hoch bewerteten Wachstumsaktien ein Verkaufen bei Stärke als der erfolgreichere Weg herausstellen. In den nächsten Monaten ist mit einer höheren Volatilität zu rechnen, so dass sich dazu noch genug Gelegenheiten bieten sollten.

Damit ist auch der jahrelange sogenannte Fed-Put für den Moment passé. Dahinter steckt der Gedanke, die Fed würde nicht nur ihre beiden Ziele Vollbeschäftigung und Preisstabilität, sondern auch immer den Aktienmarkt im Auge haben und diesen vor starken Korrekturen bewahren – also eine Art Absicherung für Investoren. Aktuell ist aber genau das Gegenteil der Fall. Der Fed ist es nicht unrecht, dass sich die Asset-Preise mal etwas abkühlen. Der Markt wird deshalb vermutlich erst noch weiter fallen (müssen), bevor sie wieder einknickt.

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Dr. Eckhard Schulte

Author

Leiter Portfoliomanagement & Vorstand

Veröffentlicht am 27. January 2022