Hellere Autolichter am Konjunkturhorizont

  • Europäischer Branchenverband ACEA meldet für Oktober ein Plus bei den Neuzulassungen in der EU von 8,7 Prozent.
  • Die Erholung in den weltweiten Autoverkäufen seit dem Sommer setzt sich fort und es besteht eine gute Chance, dass dieser positive Trend auch im kommenden Jahr anhält.
  • Aufgrund der massiven strukturellen Herausforderungen mit Klimawandel und CO2-Neutralität dürfte ein nachhaltiger Wachstumsschub für die Gesamtwirtschaft allerdings vorerst ausbleiben.

Die gute Nachricht: Nach dem dramatischen Einbruch im letzten Quartal 2018 und einem sehr schwachen ersten Halbjahr 2019 erholt sich der weltweite Autoabsatz seit dem Sommer wieder. Die Verkäufe seit Jahresanfang lagen nur noch knapp unter Vorjahresniveau. Heute meldete der europäische Branchenverband ACEA für Oktober 1,18 Millionen neu zugelassene Pkw in der EU, was einem Plus von 8,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. Damit setzt sich der sehr positive – wenngleich auch dem Basiseffekt geschuldete – Trend aus dem Vormonat fort. Für das Gesamtjahr gehen wir von einem kleinen Plus im EU-Autoabsatz gegenüber 2018 aus.

Wir sehen eine sehr gute Chance dafür, dass die Erholung der weltweiten Autokonjunktur auch im kommenden Jahr anhält. Und nachdem die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal einer „technischen Rezession“ nur sehr knapp entgangen ist, dürfte sich eine Erholung gerade in diesem Sektor auch positiv auf die Gesamtwirtschaft auswirken. Das Minus im weltweiten Autoabsatz im Oktober ist einer Umsatzsteuererhöhung in Japan geschuldet, die dort zu einem temporären Rückgang geführt hat. Bleibt aber noch die schlechte Nachricht: Ein nachhaltiger Wachstumsschub aus der Autobranche dürfte angesichts der massiven strukturellen Herausforderungen, vor denen die Unternehmen mit dem Klimawandel und dem Ziel der CO2-Neutralität stehen, allerdings noch eine Weile auf sich warten lassen.

Der globale Absatzeinbruch der Autobranche war ein Hauptgrund für den weltweiten Wirtschaftsabschwung. Insbesondere in Deutschland befinden wir uns in einer Autorezession. Ursächlich dafür waren mehrere, voneinander unabhängige Absatzbremsen, die Ende 2018 fast zeitgleich zum Tragen kamen. Aufgrund einer gewissen Marktsättigung konnte die Absatzkrise sehr schnell eskalieren. Die größten Bremsklötze waren die von den USA ausgehenden Handelskonflikte mit Mexiko, Kanada, China und der EU, das Ende von temporären Steuervergünstigungen für Neuwagenkäufe und das Austrocknen des grauen Kreditmarktes in China und nicht zuletzt der Diesel-Skandal und die daraus folgenden restriktiveren Abgasnormen in der EU.

Die sehr langen und umfangreichen Lieferketten in der Autoindustrie sowie ihr enormer Bedarf an Vorprodukten anderer Industrien (Metall-, Elektro-, Textil- und IT-Industrie) und seine Bedeutung für nachgelagerte Dienstleistungen wie den Verkauf und Werkstätten machen sie zur wichtigsten Schlüsselbranche in vielen Industrieländern. Da all dies in besonderem Maße für den heimischen Markt gilt, verwundert es nicht, dass die deutsche Wirtschaft – positiv formuliert – seit einem Jahr lediglich auf der Stelle tritt.

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Dr. Adolf Rosenstock

Autor

Volkswirtschaftlicher Berater

Veröffentlicht am 7. November 2019