Aktienmarktausblick 2020 – Gewinndynamik als Kurstreiber

Die Unternehmensgewinne sind in diesem Jahr gesunken. Trotzdem konnten die globalen Aktienmärkte aufgrund einer Zunahme der Bewertungen eine deutlich positive Performance erzielen. Für das nächste Jahr zeichnet sich eine langsame Verbesserung des Wachstumsumfeldes und damit eine Zunahme der Gewinnerwartungen ab. Wichtige Zentralbanken dürften ihre Geldpolitik unverändert belassen und in der Folge können die Kurs-Gewinn-Verhältnisse seitwärts tendieren. Entsprechend sollten die Aktienmärkte – allerdings bei anhaltend hoher Volatilität – eine Performance erzielen, die über den Dividendenrenditen liegt. Zyklische Werte sollten im Jahresverlauf in diesem Umfeld verstärkt profitieren. Aufgrund der von uns erwarteten Verbesserung der globalen Industrieproduktion sowie einem freundlicheren Handelsumfeld dürften Asien sowie Europa – und insbesondere UK – outperformen.

Geldpolitische Lockerung führte in 2019 zu höheren Marktbewertungen

Die Handelskonflikte ausgehend von den USA waren eine wesentliche Ursache für die Schwäche der globalen Konjunktur in diesem Jahr. Weil die globalen Inflationsraten ohnehin schon niedrig waren und die Wachstumsabschwächung mit sinkenden langfristigen Inflationserwartungen einherging, lockerte eine große Zahl an Zentralbanken – allen voran die US-Fed und die EZB – ihre Geldpolitik spürbar. Dies führte zu höheren Kurs-Gewinn-Verhältnissen für die Unternehmenswerte, so dass die Aktienmärkte trotz sinkender Unternehmensgewinne eine signifikante positive Performance erzielen konnten.

Aktienmarktperformance seit Ende 2018 (in %)

Für 2020 zeichnen sich ein freundlicheres Wachstumsumfeld und eine anhaltend lockere Geldpolitik ab

Für das nächste Jahr zeichnet sich eine allmähliche Erholung der globalen Wirtschaft ab. Bedeutende Abwärtsrisiken haben zuletzt abgenommen. Dies sollte vor allem die Stimmung in den Unternehmen positiv beeinflussen. So dürfte ein harter Brexit – also ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU ohne Vertrag – vermieden werden und auch die USA und China scheinen sich im Handelsstreit langsam anzunähern. Andererseits dürfte die gelockerte Geldpolitik mit einer üblichen Verzögerung von drei bis vier Quartalen das Wachstum positiv beeinflussen. Zudem mehren sich die Anzeichen einer deutlichen fiskalischen Lockerung in bedeutenden Volkswirtschaften (siehe: Großbritannien startet nach der Wahl die Ausgabenoffensive). Zwar dürften die Zentralbanken vor diesem Hintergrund sowohl in Europa als auch den USA kaum weitere geldpolitische Lockerungsschritte umsetzen. Allerdings ist auch in einem positiven fundamentalen Szenario nicht mit einer baldigen Kehrtwende zu rechnen. Vielmehr dürften die Zentralbanken längerfristig eine höhere Toleranz gegenüber anziehenden Inflationsraten erkennen lassen. Trotz der skizzierten zyklischen Wachstumserholung ist für Euphorie kein Platz und die realisierten Wachstumsraten dürften sich nur graduell verbessern. Dazu bleiben vor allem die geopolitischen Risiken ausgeprägt.

Performance MSCI Indizes in USD seit Brexit-Abstimmung

Freundliches, aber volatiles Aktienmarktumfeld

Im nächsten Jahr könnten damit die Gewinnerwartungen für die Unternehmen aufgrund des günstigeren Wachstumsumfeldes zunehmen und zum Haupttreiber der Aktienmarktperformance werden. Vor dem Hintergrund einer anhaltend lockeren Geldpolitik dürften die Kurs-Gewinn-Verhältnisse seitwärts tendieren. Entsprechend sollten die Aktienmärkte einen positiven Ertrag erzielen, der über den Dividendenrenditen liegt, wobei die Volatilität aber wieder zunehmen dürfte. Mit höheren Gewinnerwartungen einhergehend sollten vor allem zyklische Sektoren eine positive Performance erzielen.

Auf regionaler Basis haben britische Aktien (in US-Dollar) seit der Brexit-Abstimmung im Juni 2016 sowie Japan und Europa ohne UK (ebenfalls in US-Dollar) seit dem Ausbruch der Handelskonflikte Anfang letzten Jahres gegenüber den USA erheblich underperformt. Aufgrund der von uns erwarteten Verbesserung der globalen Industrieproduktion sowie einem freundlicheren Handelsumfeld dürften Asien und Europa nun outperformen können. Britische Aktien dürften insbesondere dann einen Teil ihrer Underperformance wettmachen können, wenn bei den Parlamentswahlen die Tories eine absolute Mehrheit erzielen. Wir bevorzugen aktuell ein leicht überdurchschnittliches Aktienmarkt-Exposure. Für den Fall, dass sich die Anzeichen für eine deutliche Erholung des globalen Wachstums verdichten, werden wir die Aktienquoten nochmals erhöhen.

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Daniel Pfändler

Autor

Portfoliostratege

Veröffentlicht am 11. Dezember 2019