Europa übergewichten – Schwellenländer meiden

Die Konjunkturdynamik hat sich zuletzt abgeschwächt. Wir stufen dies jedoch als ein nur temporäres Phänomen ein. Deutlich steigende Unternehmensgewinne dürften dabei negative Effekte potentiell niedrigerer Aktienmarktbewertungen auf Grund höherer Zinsen  überkompensieren. Wir erwarten damit weiterhin ein längerfristig freundliches Aktienmarktumfeld, allerdings sollte die Aktienmarktvolatiliät zunehmen. Somit ist eine moderate Übergewichtung an den globalen Aktienmärkten unverändert angemessen, wobei wir weiterhin europäische- und japansiche Werte als am attraktivsten einstufen. Wir präferieren zyklische Sektoren, die von einem freundlichen Wachstumsumfeld profitieren sowie Sektoren, die in einem Umfeld höherer Zinsen outperformen sollten. Für die Schwellenländer zeichnen sich hingegen zunehmende Schwierigkeiten ab und wir meiden diese Regionen.

Fundamentales Bild in den entwickelten Volkswirtschaften bleibt freundlich

Das fundamentale Bild für die Aktienmärkte bleibt auf die Sicht von 6 bis 9 Monaten in der Tendenz freundlich. So befindet sich zwar die Konjunktur – insbesondere in Europa – in einer für die Märkte schwierigeren Abschwungsphase (positives aber abnehmendes Wachstum). Diese dürfte jedoch nur temporärer Natur sein und wir erwarten in Richtung Sommer eine Rückkehr in eine für den Markt freundlichere Expansionsphase (positives und zunehmendes Wachstum). So stellen die schwächer als erwarteten Wirtschaftsdaten der letzten Wochen eine Normalisierung der Konjunkturdynamik nach dem rasanten Aufschwung im zweiten Halbjahr 2017 dar. Hinzu kommt insbesondere in Europa der sturmreiche Winter und kalte März als temporär belastender Faktor. Darüber hinaus dürften gerade im April auch die Sorgen um einen globalen Handelskrieg die Stimmung belastet haben. Unseres Erachtens bleibt ein ausgewachsener Handelskrieg – der mit deutlich mehr Protektionismus einher gehenwürde und damit die globalen Lieferketten entwertet – nur ein Risikoszenario. Wahrscheinlicher ist eine Abkehr vom multilateralen durch die WTO und das Meistbegünstigungsprinzip geschützten Handelssystem zu Gunsten eines Systems, das auf bilateralen Verträgen beruht und in dem die größeren Volkswirtschaften (z.B. USA, China, EU) ihre Verhandlungsmacht zusehends zu Ungunsten kleiner sowie unabhängiger Länder ausnutzen.

Geldpolitik in Europa unterstützt

Die US Fed dürfte auf Grund rückläufiger Überschusskapazitäten gepaart mit einer Inflation, die nahezu ihr Ziel erreicht hat und noch weiter steigen dürfte, auf ihrem graduellen Zinserhöhungskurs verharren. In Europa hingegen haben in den letzten Monaten die Inflationsraten die Erwartungen untertroffen. Damit können sich die europäischen Zentralbanken – allen voran die EZB, aber auch die BoE oder die schwedische Riksbank – mit einer geldpolitischen Straffung Zeit lassen. In der Folge nimmt die geldpolitische Akkommodierung in den USA stetig ab. Sie bleibt aber in Europa sowie auch in Japan jedoch vorerst sehr locker.

Vor diesem fundamentalen Hintergrund bleibt das Gewinnwachstum in den entwickelten Volkswirtschaften gut – allen voran in den USA auf Grund der Steuerreform – und sollte den Aktienmärkten Unterstützung bieten. Die erwarteten geldpolitischen Entwicklungen sowie die im internationalen aber insbesondere auch im Vergleich zu den Anleihemärkten attraktive Bewertung sprechen für seitwärts bis moderat höhere Kurs-Gewinn-Verhältnisse in Europa und Japan. Hingegen dürften die steigenden Zinsen auf die Bewertung in den USA drücken.

Zusehends schwieriges Umfeld für die Aktienmärkte der Schwellenländer

Quelle: Bloomberg

Zunehmende Risiken für die Schwellenländer

Jedoch zeichnen sich für die Märkte der Schwellenländer zunehmende Schwierigkeiten ab. Einerseits belasten steigende USD-Zinsen und untergraben den Carry der höher verzinslichen Schwellenländer und lasten damit auf den entsprechenden Währungen. Dazu kommt die erneute Stärke des US-Dollars, der seit Mitte April um rund 3% auf handelsgewichteter Basis aufwerten konnte. Dies stellt vor allem ein Problem für jene Länder dar, die hohe Fremdwährungsschulden aufweisen. Zu guter Letzt treten zunehmend hausgemachte politische Probleme in den Vordergrund (so z.B. in der Türkei, in Brasilien, in Südafrika oder in Argentinien) aber auch die anstehenden Wahlen in Mexiko wirken als Belastungsfaktor.

Fazit:

Generell erwarten wir weiterhin ein längerfristig freundliches Aktienmarktumfeld. Die deutlich steigenden Unternehmensgewinne überkompensieren dabei negative Effekte potentiell niedrigerer Aktienmarktbewertungen auf Grund höherer Zinsen. Allerdings dürften die Aktienmärkte in ein Umfeld einer nachhaltig höheren Volatilität eingeschwenkt haben. Dies spiegelt sich in einer moderaten Übergewichtung an den globalen Aktienmärkten. Dabei bevorzugen wir europäische Aktien und in geringerem Maße die US amerikanischen sowie japanischen Märkte.  Hingegen meiden wir gegenwärtig die Aktienmärkte der Schwellenländer. Wir bevorzugen insbesondere Sektoren, die von dem skizzierten günstigen konjunkturellen Entwicklungen profitieren, wie z.B. Industrials. Gleichzeitig gewichten wir Sektoren wie Versicherer über, die in einem Umfeld höherer Renditen outperformen dürften.

Neuigkeiten direkt in Ihre Inbox

Artikel an Ihre E-Mail-Adresse bekommen und am PC oder Smartphone abrufen.

Blogpost abonnieren

MainSky Lösungen – Aktienstrategie

Auf der Aktienseite bietet MainSky neben einem Investment im ‚Macro Navigation Fund‘ auch die Möglichkeit, individuelle Mandatszielsetzungen – wie z.B. die Konstruktion von Portfolien mit geringer Volatiliät oder eines Portfolios mit Value-Titeln – umzusetzen. Egal für welchen Weg Sie sich entscheiden – die Attribute des MainSky Aktienselektionsprozesses sind immer ’systematisch, transparent und nachhaltig‘.

Zu MainSky Aktienmanagement

Daniel Pfändler

Autor

Portfoliostratege

Veröffentlicht am 8. Mai 2018